Die Bonner Todesoffiziere melden sich dieses Jahr lautstark zurück und haben die Ausrottung im Gepäck. „Extinction Aftermath“ ließ sich diesmal nur halb so viel Zeit, ist jedoch mindest genau so überraschend geworden, wie wohl die meisten Veröffentlichungen aus dem Hause Jack Slater. Das man von Jack und seiner Brut keinen Standard Death Metal erwarten muss und kann, liegt wohl für jeden auf der Hand, welcher auch nur eine marginale Vorstellung von dem hat, was aus der ehemaligen Hauptstadt auf die Welt losgelassen wird. Und brutal geht es immer zu, wenn man seinen Namen einem Schwarzenegger-Charakter entlehnt.

„Extinction Aftermath“ rangiert irgendwo zwischen Necrophagist, Illdisposed und einer guten Portion Grindcore, gepaart mit höchstem Spielvermögen. Die Jungens bieten eine technisch-herausragende Darbietung dessen, was man leisten kann, wenn man sowohl im Grindcore, als auch im Technical Death Metal Sektor bewandert ist. Nebst brutalsten Riffs, pushend-treibendem Drumming, welches vor Blast-Attacken und Double-Bass Teppichen nur so strotz, wird der Hörer immer wieder mit fiesen High Peaks massakriert und in den darauf folgenden Mid-Tempo Vocal-Senken ängstlich und zitternd zurück gelassen.

Jack Slater holen auf ihrem neuen Werk ordentlich aus und pfeffern jeden zu Brei, der nicht standhaft genug ist. Ausgefeiltes Riffing, schöne Solo-Passagen und ein wundervoll ausgewogener Klang tragen dienlichst zum, leider nur halbstündigen, Hörvergnügen bei. Ein Wechselbad aus gefühlvollen und bösartigen Momenten, die man so schnell nicht wieder vergisst. Auch mit den, fast ausschließlich, deutschen Texten wurde intelligent umgegangen. So wurde für den vierten Kinderfresser Teil „Resser Frednik“, wie der mit einem Palindrom versehene Titel schon erahnen lässt, der Text schlichtweg rückwärts eingesungen. Daraus resultiert letztlich eine ein-minütige Grindcore Attacke, die nur gespiegelt denkende Menschen verstehen können, oder eben jene, die darauf kommen, den Text einfach von hinten aufzuzäumen.

Weshalb der Kinderfresser und sein barbarisches Werk nicht beim Namen genannt werden ist jedoch schleierhaft. Es könnte wohl die Angst vor dem staatlichen Indexstift dahinter stecken, schade wäre es um das gute Stück wahrlich. In allen anderen Fällen sind die Texte jedoch in üblicher Manier verwendet und wenngleich bilingual, sehr eingängig und passend arrangiert. Da reicht das thematische Spektrum im Endeffekt auch von einer etwas martialischen Liebesbezeugung über gefressene Kinder bis hin zur menschlichen Ausrottung und den daraus resultierenden Folgen. Also für jeden etwas.

Man muss einfach sagen, dass dieses Werk textlich wie auch musikalisch sehr überzeugend wirkt und wohl den meisten Hörbegierigen ein freudiges Lächeln auf die Lippen zaubern wird. Es ist gut, dass sich Jack Slater zwischen Grindcore und Brutal Death Metal nicht so recht entscheiden können, denn die Mischung ist von höchster Erfreulichkeit. Meine Anspieltipps: „Resser Frednik“ und „Pheromon“ - Gänsehaut garantiert!

So ist den Bonner Stadtmusikanten also wieder ein guter Wurf gelungen und Sie können mit Fug und Recht behaupten, ein ebenso vielschichtiges, facettenreiches, wie musikalisch anspruchsvolles viertes Full-Length kreiert zu haben. Dieses wird wohl mehr als zwei Runden in jedem Abspielgerät rotieren. Technik-Fanatiker und musikalische Brutalinskis sollten beiderseits auf ihre Kosten kommen. In diesem Sinne, essorg Tsnuk sua nehcsimieh Nednal!

Jack Slater · Extinction Aftermath · 2010

Redaktion

verfasst von Winterfreud666
vom 19.04.2010

8 / 10

Playlist

01 - Pheromon
02 - Dythymia
03 - Martyr
04 - Funkenflug
05 - Happy Hour
06 - Omniscience
07 - 4 8 15 16 23 42
08 - Konstrukt
09 - Resser Frednik
10 - Extinction Aftermath