Als Einstieg eine kleine Anekdote, wie Untergrund-Metal 2011 in Deutschland funktioniert: Als aufrechter Metalhead muss man sich als Standmitarbeiter auf der CeBit irgendwie mit minimaler elektronischer Musik arrangieren, was schließlich dazu führt, dass nach Messeschluss und 16-Stunden-Techno-Dauerbeschallung die 6KW-Standanlage für die Hirnhygiene auch mal eine Runde Kataklysm aushalten muss. Wie Motten zum Licht zieht das natürlich metallische Mitarbeiter anderer Stände an, die unter den gleichen Entzugserscheinungen leiden. Man kommt ins Gespräch, der eine hat eine Band, der andere ein Magazin und so liegt mir nun mit „An Eroticism in Murder“ das erste Album der Bonner Progressive Deather Steorrah vor.

Was die Gruppe um Sänger und Gitarrist Andreas März in ihrem Debüt auf die Beine gestellt hat, macht auf den ersten Blick keinen schlechten Eindruck: Irgendwo zwischen Death, Doom, Black und ganz viel Jazz darf man hier fähige Musiker bei der Arbeit beobachten: Vertrackte Metal-Riffs treffen auf ruhige und melancholische Parts, die sich sehr harmonisch zusammenfügen und zu keinem Zeitpunkt anfangen mit ihrer Progressivität zu nerven. Wer will, findet hier durchaus Parallelen zu Opeth, dennoch bleiben Steorrah zu jedem Zeitpunkt originell und schaffen sich durchaus etwas eigenes. Wem das jetzt zu positiv klingt, der wird auf dem zweiten Blick durchaus Kritikpunkte finden: Das erste Problem: „An Eroticism in Murder“ ist zu lang. Damit ist nicht unbedingt die Spielzeit gemeint, die mit knapp einer Stunde in Ordnung wäre, wenn das Album nicht doch die ein oder andere Länge aufweisen würde. Einzelne Ideen hätten mehr Ausbaustufen vertragen können, anders dürften für meinen Geschmack gerafft werden, denn teilweise bewegen sich Steorrah für ihre Genre fast schon zu brav in den eigenen auferlegten Grenzen.

Das zweite Problem ist der Sound: Das Album ist sowohl in den verzerrten als auch in den cleanen Parts sauber abgemischt, allerdings vertrügen gerade die todesmetallischen Elemente mehr Bumms bei den Gitarren und dem Gesang. Damit plädiere ich nicht für ein hochgezüchtetes Produktionsmonster wie es regelmäßig Origin ausspucken, sondern eher ein rundes Gesamtbild mit differenziertem und trotzdem heftigen Sound, wie es z.B. Quo Vadis mit „Defiant Imagination“ abgeliefert haben.

Unterm Strich präsentieren sich Steorrah als eine extrem fähige progressive Band, die es verstehen, Jazz und Death Metal in Einklang zu bringen. Die leichten Schwächen, die dieses überdurchschnittliche Debüt aufweist, sollten aber genug Anreiz liefern, um beim nächsten Mal noch eine Schippe draufzulegen. Das Potential ist definitiv vorhanden!

Steorrah · An Eroticism in Murder - A Stream of Consciousness in D Minor · 2010

Redaktion

verfasst von Furfighter
vom 04.05.2011

7 / 10

Playlist

01 - Intro: Ex Obscuritas
02 - Arboretum
03 - An Enigma in Semiotics
04 - Merely an Interlude
05 - Sundials (An Eroticism)
06 - Sindials
07 - Renaissance
08 - Whitsun, Bloody Whitsun
09 - Elaine‘s Song
10 - Bright‘s Disease
11 - Outro: Ad Obscuritas